Business Process Management verbindet Geschäftsprozesse und IT

Juli 2004

Business Process Management (BPM) ist heiß - zumindest auf der Integrations-Website ebizQ, wo eine Flamme den Begriff als "Hot Topic" kennzeichnet. Aber auch von anderer Seite taucht der Begriff immer häufiger auf, oft im Zusammenhang mit Web Services und Integrationslösungen. So positionieren sich viele Softwarefirmen inzwischen (auch) als Anbieter von BPM-Lösungen. Auch in Marktstudien und Pressemitteilungen taucht der Begriff zunehmend auf.
Der deutlichste Indikator für das wachsende Interesse an BPM sind aber Konferenzen. In den USA gibt es bereits eine regelmäßig stattfindende Business Process Management Conference, die von BPM- und Workflow- Organisationen wie BPMG.org, BPMI.org, WARIA und WfMC unterstützt wird. Im Juni fand diese Konferenz in Boston statt, im November wird sie an der Westküste in San Francisco veranstaltet.
In Deutschland beginnt die Diskussion, wie so häufig bei neuen Technologiethemen, erst mit Verzögerung. Noch gibt es hier keine eigenständige Konferenz zum Thema BPM. Aber das im März veranstaltete EAI-Forum 2004 in Mainz trug bereits den Untertitel "Business Process Management mit EAI und Web Services - auf dem Weg zum Echtzeitunternehmen". Und auch die Teilnehmerresonanz auf einem kürzlich von Xmlcity Berlin veranstalteten Workshop zum Thema BPM belegt das langsam wachsende Interesse an diesem Thema.

Was also hat BPM Unternehmen zu bieten? Ist es nur ein neuer Anbieter-Hype oder wirklich etwas Neues?

Der Kern von BPM, das sagt schon der Name, sind Geschäftsprozesse. Ähnlich wie die Prozesssicht auf ein Unternehmen über Abteilungsgrenzen hinweggeht, verknüpfen BPM-Lösungen prozessrelevante IT-Komponenten über die Grenzen einzelner ERP-, CRM- oder sonstiger Anwendungen hinweg. Geschäftsprozesse und ihre Abbildung in der Informationstechnologie eines Unternehmens stehen bei BPM also im Mittelpunkt.

Ein wesentliches Merkmal ist dabei die integrierte Unterstützung des gesamten Lebenszyklus von Prozessen. Dieser Zyklus reicht von der Analyse und Modellierung eines Prozesses über die Implementierung und Ausführung bis hin zur Überwachung und Auswertung. Bisherige IT-Lösungen haben meistens nur Teile unterstützt, z.B. entweder die Modellierung von Workflows und Prozessen oder die Überwachung und Auswertung. Je besser eine BPM-Lösung also diesen gesamten Kreislauf unterstützt und ohne System- oder Medienbrüche integriert, desto größer ist ihr potenzieller Mehrwert.

Noch ist dieses Wertversprechen zu einem großen Teil Vision, aber die Entwicklungsrichtungen zeichnen sich bereits deutlich ab. Graphische Tools zur Modellierung von Prozessen werden immer stärker mit Workflow Engines integriert, die eine automatische Abarbeitung der einzelnen Prozessschritte koordinieren. Und EAI-Anbieter stellen in ihren Plattformen zunehmend Funktionalität zur Prozessmodellierung und -visualisierung zur Verfügung.

Mittelfristig sollen damit fachliche Experten, so genannte Business Analysts, in die Lage versetzt werden, Geschäftsprozesse zu modellieren oder zu modifizieren. Die

darunter liegende technologische Implementierungsebene soll dann weitestgehend automatisch erzeugt oder angepasst werden. Damit ließen sich zum einen Entwicklungs- und Wartungskosten signifikant reduzieren, zum anderen könnten Unternehmen durch Anpassung ihrer Prozesse deutlich schneller auf neue Anforderungen reagieren.

Besondere Bedeutung kommt dabei der Überwachung und Auswertung von Prozessausführungen zu. Der BPM-Teilbereich Business Activity Monitoring (BAM) bietet Lösungen an, die Prozessdaten in Echtzeit auswerten. Bisher konnte eine solche Auswertung im Rahmen der Business Intelligence nur zeitverzögert erfolgen. Dabei wurden Ausführungsdaten in Data Warehouses gesammelt und dann offline weiter verarbeitet. Mit Hilfe von BAM können Entscheider und Fachexperten jederzeit auf die benötigten Informationen zugreifen, z.B. indem ein so genannter "Management Cockpit" implementiert wird, der den aktuellen Status der wichtigsten Unternehmensprozesse live abbildet.

BPM verspricht also sehr viel: eine größere Flexibilität und geringere Kosten bei der Abbildung von Unternehmensprozessen in der IT und schnelleren Zugriff für das Management auf aktuelle Unternehmensinformationen. Das Unternehmen, so das Versprechen, wird somit agiler und kann schneller auf Veränderungen reagieren. Besonders diese Argumentation über den unmittelbaren Geschäftsnutzen, so hoffen die IT-Anbieter, wird Unternehmen davon überzeugen, in BPM-Lösungen zu investieren. Damit ist es also wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Thema in Deutschland genaus0 heiß wird wie jetzt schon in den USA.
Von Dr. Joachim Quantz
Thema: Web Services & Integration

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